Kyoto • Nijo Palast

Nachdem ich mir eine Eintrittskarte am Automaten des Nijo Palastes gezogen habe, stürze ich mich ins Gewühl aus Touristen und Schulklassen.

Das Schloss möchte ich mir nicht unbedingt von innen ansehen, denn ich habe ein heimlich gedrehtes Video im Internet gesehen. Es hat mich zur Auffassung gebracht, dass sich die Besichtigung etlicher Audienzräume nicht lohnt. Vielmehr interessiert mich das reich mit Schnitzereien verzierte Karamontor, der Garten und die äußere Optik der Gebäude.

Besucher des Shoguns mussten das Karamontor durchschreiten. Die reichen Verzierungen dienten wohl hauptsächlich dazu die Macht, den Reichtum und den Kunstverstand des Shogun zu repräsentieren. Der Palast selber imponiert durch seine Größe, aber die Schnitzereien an der »Haustür« sind nicht bemalt und längst nicht so aufwändig wie die am Karamontor.

Linker Hand geht es in den Garten. Kiefern, ohne die man sich einen japanischen Garten kaum vorstellen kann, empfangen mich. Sie sind so niedrig, dass sich die Äste mit den filigranen langen Nadeln dem Besucher zuneigen und man sie anfassen kann. Die Nadelbüschel sind dunkelgrün und fühlen sich seidig an. Beim Darüberstreichen verströmen sie in der aufkommenden Tageshitze einen harzigen Duft.

Leider ist es nicht möglich den Garten nach eigenem Gutdünken zu erkunden. Überall sind Absperrseile angebracht. Nach ein paar Schritten bin ich am ersten Teich angekommen, wo mich ein surreal wirkendes Szenario empfängt. Eine schreiend grüne Matte ist auf dem Boden unter drei Kiefern ausgebreitet. Leitern stehen an den Bäumen und oben in den Ästen turnen mehrere angeseilte Gärtner herum, um die verdorrten Nadeln aus den Kronen zu zupfen und auf die grünen Matten unten auf dem Boden fallen zu lassen.

Für mich wäre das Auszupfen der Nadeln eine angewandte Zenmeditation. Bewundernswert mit welcher Geduld die Arbeiter diese Aufgabe bei Temperaturen von mittlerweile 28 Grad erfüllen! Die nächsten Wegbiegungen bieten nicht viel neues. Vom Privatpalast des Shoguns steht nur noch ein Eingangstor und ein Podest aus Mauerresten. Auf dem Rückweg mache ich nochmal Pause unter dem Schatten spendenden vorstehenden Dach des Palastes, dort wo die Gärtner immer noch die drei Kiefern von ihren verdorrten Nadeln befreien.

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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Anika sagt:

    Kiefern ausputzen ist die beste Arbeit von allen!
    Gibt es 2x im Jahr :3

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    1. Lidschlag sagt:

      Wenn ich das jetzt auf meinen Heimatstandort übetrage, hätte ich rund ums Jahr zu tun. 🙂 Allerdings hätte diese Arbeit einen sehr beruhigenden Faktor: Man kann abschalten! 🙂

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      1. Anika sagt:

        Kann man tatsächlich wunderbar! 🙂

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